Das Fenster zum Jetzt

Lesezeit: 2 Minuten

Früher war ich sehr häufig auf Konzerten. Manchmal mehrmals die Woche, manchmal mehrere Hundert Kilometer weit weg. Abends hinfahren, Konzert genießen und in der selben Nacht wieder nach Hause – schließlich musste ich ja am nächsten Morgen wieder arbeiten.

Heutzutage sind meine Konzertbesuche seltener geworden. Dafür sind Smartphones auf Konzerten häufiger geworden. Und diese Beobachtung hat mich zu dem Gedankengang inspiriert, an dem ich Dich hier gerne teilhaben lassen möchte.

Ein Musikkonzert bietet für mich immer wieder die Möglichkeit den Alltag zu vergessen und für einen kurzen Moment Gestern und Morgen hinter (bzw. vor) mir zu lassen. Das Jetzt zu erleben, in der Musik und der Lichtershow zu schweben und die Gedanken unkontrolliert schweifen zu lassen. Für mich die reine Form des positiven Eskapismus.

Immer wieder beobachte ich jedoch Konzertgänger, die gar nicht erst auf die Idee kommen, diese Eindrücke auf sich wirken zu lassen. Vielmehr sind sie krampfhaft damit beschäftigt, den Moment, den Song, die Band oder was auch immer irgendwie festzuhalten und mit ihrer Smartphone-Kamera gefangen zu nehmen.

Wie paradox dieses Verhalten doch anmutet. Ist es nicht genau dieser krampfhafte Versuch den Moment festzuhalten der dafür sorgt, dass sie genau diesen einen wertvollen Moment verpassen? Zwar unbedarft aber dennoch verkrampft läuft die Kamera mit und filmt, wie der- oder diejenige die Gelegenheit verpasst und sich auf das Bild auf dem Smartphone konzentriert, anstatt den Augenblick zu genießen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass sich diese Beobachtung auch in unseren Alltag übertragen lässt. Denn auch außerhalb von Musikkonzerten beschäftigen wir uns oft mit Dingen, die in dem Moment gar keine Rolle spielen. Egal ob wir Gemachtes bereuen oder nicht nicht Getanes überdenken, oftmals vergessen wir dabei das Hier und Jetzt. Vielleicht sollten wir uns alle öfter auf das Heute konzentrieren, anstatt über gestriges zu grübeln und sich auf morgiges vorzubereiten. Ich bin davon überzeugt, dass unser Morgen besser wird, wenn wir den jetzigen Moment intensiver leben.

In diesem Sinne wünsche ich Dir einen guten Tag. Heute. Hier. Jetzt!

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8 Comments

  • Boris on 22. Oktober 2016

    Viele Menschen, mich eingeschlossen, versuchen dadurch wahrscheinlich diese schönen Momente für die Ewigkeit festzuhalten. Dabei geht leider ein Teil verloren da viel Konzentration dafür genutzt wird um Momente zu digitalisieren.

    Ich genieße Konzerte und liebe es danach nochmal in die Atmosphäre einzutauchen indem ich mir die Bilder oder Videos ansehe.

    Mein persönlicher Gedankengang ist dass einen alles genommen werden kann ausser Erinnerungen. Aber selbst die gehen irgendwann langsam verloren und verblassen im langsamen Zerfall unseres Gehirns. Mit Hilfe von Bildern etc versuche ich soviel wie möglich zu erhalten um auch in Jahren nochmal darin schwelgen zu können und evtl diese Erinnerungen teilen zu können. Und wenn irgendwann zu viel Erinnerung verloren ist bleibt meist nicht mehr viel Mensch übrig.

  • Steffen S on 22. Oktober 2016

    Lieber Namensvetter,

    ich hatte mir schon grob die Worte zurecht gelegt Deinen ersten Blogeintrag kritisch zu kommentieren, da sehe ich dass Boris meine Meinung dazu schon zu 100% in schönen Worten formuliert hat. Dem bleibt nichts mehr hinzuzufügen.

    Weitermachen, Ihr beide!

    • Steffen on 22. Oktober 2016

      Ich verstehe eure Gedankengänge. Bei mir selbst muss ich aber leider immer wieder feststellen, dass dieses Bild (oder Video) das Gefühl des Moments nicht wieder zurückholen kann. Das Bild verliert die Magie, die dem ursprünglichen Moment innewohnte.

      • Boris on 22. Oktober 2016

        Natürlich tut es das, und meist nimmt man sich auch nicht mehr die Zeit um sich damit zu beschäftigen. Ich bin in dieser Hinsicht vielleicht auch nicht das Magnum Opus. Ich will irgendwann wenn ich uralt bin (soweit mit das vergönnt sein sollte) in meinen Sterbebett die Möglichkeit haben mein hoffentlich erfolgreiches Leben Revue passieren zu lassen, mich all der Abenteuer erinnern und all die Menschen welche diese Wege mit mir gegangen sind bei mir fühlen. Weiß Gott wer von uns wen überleben wird, dieses Wissen möchte ich nicht mal meinen größten Feind wünschen, aber so lebt jeder in den Erinnerungen weiter. Deshalb bin ich der Meinung das es nichts wertvolleres gibt als Erinnerungen die ich mit meiner Familie, meinem Partner meinen Freunden und meinem katet in alle Ewigkeit verbindet. Was auch immer kommen mag danach…….vielleicht ein unendlich tiefes Loch und irgendwas mit wolfsmilch….

        • Steffen on 24. Oktober 2016

          Da sind wir komplett einer Meinung. Du redest ja auch von Erinnerungen, genau wie ich. Bilder und Videos benötige ich aber nicht um meine Erinnerungen zu wahren.
          Evtl. ist es sogar ganz gut, dass mein Gehirn ganz automatisch nur das speichert, an das ich mich auf dem Sterbebett tatsächlich erinnern möchte. Den ganzen Rest kann ich mir und meiner Nachwelt dann ersparen. Genau wie die zehn Millionen Bilder und Videos, die ich irgendwann mal gemacht hatte. 😉

      • Steffen S on 22. Oktober 2016

        Das Bild hat vielleicht nicht die gleiche Magie wie der eigentliche Moment, doch kann das Bild später seine ganz eigene Magie entwickeln, und diese potentiell unendlich lange bewahren. Ausserdem geht doch durch den Akt des Fotografierens / Filmens nicht zwingend die Magie des ursprüngliches Momentes verloren.

        • Steffen on 24. Oktober 2016

          Finde ich eben doch. Weil ich durch eine Kamera (oder den Handybildschirm) den Moment doch anders wahrnehme als wenn ich ihn direkt „konsumiere“.

  • Fabian Fister on 24. Oktober 2016

    Auf Smartphones gebannte Bilder und Videos sind für manchen Konzertbesucher oftmals die einzige Quelle der Erinnerung

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