Wertschätzung

Lesezeit: 3 Minuten

Kennst Du schon die Gallup-Studie? Seit dem Jahr 2001 erstellt das Gallup-Institut jährlich den „Engagement Index Deutschland„. Anhand von zwölf Fragen zum Arbeitsplatz und Arbeitsumfeld gibt die Studio Auskunft darüber, wie hoch der Grad der emotionalen Bindung von Mitarbeitern zu ihrem Arbeitgeber und damit das Engagement und die Motivation bei der Arbeit ist.

Das Ergebnis ist besorgniserregend:
Lediglich 14% der 1.413 zufällig ausgewählten Arbeitnehmer fühlen sich mit ihrem Unternehmen stark emotional verbunden. 63% empfinden eine geringe emotionale Bindung und sogar 23% verfügen über keine emotionale Bindung (mehr) zu ihrem Arbeitgeber.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Arbeitszeit auch Lebenszeit ist. Wieso vergeuden so viele Menschen diese kostbare Zeit, obwohl sie schon in die innere Kündigung gegangen sind?

Wir treffen in unserem Alltag regelmäßig auf solche Mitarbeitende. Manchen Kellnern ist es sichtlich egal, ob ich irgendwann noch mal wiederkomme. Sie sind gar nicht am Geschäft interessiert, ansonsten würden sie mich sicherlich nicht minutenlang mit einem geleerten Glas alleine sitzen lassen. Oder Verkäuferinnen, denen es gänzlich egal ist, ob ich etwas kaufe oder nicht.
Solche Mitarbeiter sind mit ihrem Arbeitgeber nicht mehr verbunden, haben innerlich gekündigt und sind damit massiv geschäftsschädigend.

Doch wie kommt es dazu, dass jemand in die innere Kündigung geht und sich nicht mehr mit seinem Arbeitgeber identifizieren kann? Ich denke, wir gehen so mit unseren Kunden um, wie das Unternehmen mit uns als Mitarbeitern umgeht. Und das aller Wichtigste dabei ist meiner Meinung nach die Wertschätzung. Studien zeigen, dass wertschätzende Unternehmen signifikant erfolgreicher sind als andere.

Der Benediktinermönch Dr. Anselm Grün beschreibt in seinem Buch „Wertschätzung. Die inspirierende Kraft der gegenseitigen Achtung“ in fünf Stufen, welche Fähigkeiten wir haben müssen, damit wir wertschätzend anderen gegenüber sein können:

1. Aufmerksamkeit

Andere Menschen bewusst wahrnehmen. Das ist leider alles andere als selbstverständlich. Ist es Dir schon mal passiert, dass du zwischen zwei Verkäufern standest und eine Frage stellen wolltest, aber minutenlang warten musstest, weil die beiden sich miteinander unterhalten haben? Oder dass es an der Rezeption im Hotel eine gefühlte Ewigkeit dauert, bis jemand Dich anspricht? Oder letztens bei der Autovermietung. Als die Mitarbeiterin mitten in unserem Gespräch mit der Begründung „Sorry, das ist wichtig“ ans Telefon ging? Das ist alles andere als wertschätzend und es ist kein besonders schönes Gefühl ignoriert zu werden.

2. Respekt

Wir sollten Menschen in ihrer Persönlichkeit wahrnehmen und sehen. Und sie so nehmen, wie sie sind. Auch wenn sie anders sind und wir das Verhalten teilweise nicht nachvollziehen können, geht es darum die guten Absichten dahinter wertzuschätzen und den anderen zu respektieren.

3. Höflichkeit

Basics. Dabei geht es um klassische Höflichkeitsformeln. „Danke“ und „Bitte“, „Hallo“ und „Tschüss“. Eigentlich sollte man darüber gar nicht sprechen müssen, aber es reicht eben nicht jemanden wahrzunehmen, ohne ein kurzes „Hallo“ auszusprechen.

4. Toleranz

Es gibt viele Menschen mit anderen Meinungen, Werten und Vorlieben. Wir müssen nicht alles verstehen und nachvollziehen können, sollten andere aber in ihrer Persönlichkeit dennoch tolerieren. Ja, sogar Veganer. 😉

5. Empathie

Menschen mit einer hohen Empathie können sich in die Gefühlswelt anderer hineinversetzen und damit besser nachvollziehen und verstehen, was in ihrem Gegenüber vorgeht und ihn antreibt.

Jetzt kennen wir die fünf Stufen und die Fähigkeiten, die man haben sollte, um wertschätzend mit anderen umzugehen? Und was machen wir jetzt damit?
Es reicht klein anzufangen. Sich ab und zu diese fünf Stufen im Alltag bewusst zumachen und darüber nachzudenken, ob Du Dich gerade wertschätzend jemand anderem gegenüber verhalten hast. Denn nur, wenn Du wertschätzend anderen gegenüber bist, werden sie sich auch wertschätzend Dir gegenüber verhalten. Und das macht Vieles leichter.

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1 Comment

  • Herr Friedlein Stephan on 24. August 2018

    Sehr gut. Der Autor hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Sicherlich hat jeder von uns schon genau diese Erfahrungen gemacht und über die Zeit den Bezug zum Unternehmen verloren. Wie beschrieben ist es leider keine Selbstverständlichkeit dass diese kleinen Punkte beachtet werden – dies führt zu hohem emotionalem Stress beim Gegenüber.
    Insbesondere Führungskräfte sollten sich immer wieder bewusst machen, ob sie ihren Mitarbeitern die entsprechende Wertschätzung zukommen lassen. Am besten verankert man dies in einer Leitlinie zur Unternehmenskultur – dann bekommt zukünftig kein Mitarbeiter mehr E-Mails ohne Anrede mit Satzfragmenten wie „Umsatz Kunde X???“ oder „wann wird das Dokument fertig ?“….

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