Das Parkinsonsche Zeitprinzip

Lesezeit: 3 Minuten

Cyril Northcote Parkinson (den Namen muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen) war ein britischer Historiker, der für viele Jahre im Verwaltungsdienst der britischen Regierung arbeitete. Die Erfahrungen dort inspirierten ihn dazu das Buch „Parkinsons Gesetz und andere Studien über die Verwaltung“ zu schreiben, welches 1957 veröffentlicht wurde.
Neben seinem berühmtesten Gesetz umfasste das Buch noch weitere Thesen, die ich Dir in diesem Blog-Artikel gerne vorstellen möchte. Zuvor sei jedoch darauf hingewiesen, dass die Parkinsonschen Gesetze durchaus mit ein wenig Ironie betrachtet werden dürfen. 😉

Parkinson hat während seiner täglichen Arbeit beobachtet, wie seine Arbeitskollegen bei der britischen Regierung arbeiten. Dabei identifizierte er wiederkehrende Muster, die er dann als Prinzipien formulierte. Zusammengefasst kann man von drei fundamentalen Thesen sprechen:

  1. Arbeit dehnt sich in genau dem Maß zu, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.
  2. Ausgaben steigen stets bis an die Grenzen des Einkommens
  3. Die Zeit, die Du einem Thema auf der Agenda widmest, ist indirekt proportional zu seiner Wichtigkeit.

Diese Thesen wurden seither immer wieder validiert und überprüft und dienten letzten Endes dazu effizientere Methoden im Zeitmanagement zu entwickeln.

Die Parkinsonschen Gesetzte im Zeitmanagement

Das hauptsächliche Anwendungsgebiet für die Gesetzte von Parkinson ist das Zeitmanagement. Seine erste These lautet: „Arbeit dehnt sich in genau dem Maß zu, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht“. Die meisten Studenten werden wissen, wovon Parkinson redet. Je mehr Zeit ich für eine Aufgabe zur Verfügung habe, je länger lasse ich mir Zeit, sie zu erledigen. Habe ich für eine Aufgabe eine Stunde Zeit, erledige ich die Aufgabe innerhalb dieser Stunde. Habe ich einen Monat Zeit dafür, brauche ich auch einen Monat, um die Aufgabe zu beenden.
Als Beispiel führt Parkinson eine ältere Dame an, die einen halben Tag dafür braucht, ihrer Nichte eine Postkarte zu schicken (Postkartenauswahl, Brillen- und Adressensuche, Textverfassung, Entscheidung, ob für den Weg zum Briefkasten ein Schirm mitzunehmen ist.) Den Kontrast bildet ein vielbeschäftigter Mann, der die gleiche Aufgabe in drei Minuten an seinem Schreibtisch erledigt.

Die meisten Projekte in Universitäten werden innerhalb der letzten 24 Stunden vor Abgabeschluss eingereicht. Und das unabhängig davon, wie viel Zeit zuvor zur Verfügung stand.

Aber wieso ist das eigentlich so? Das hängt mit einem anderen Prinzip zusammen, nämlich dass Zeit etwas sehr Subjektives ist. Deine „Zeit“ ist vielmehr ein Produkt deiner Wahrnehmung als der vergangenen Minuten und Stunden. Zusätzlich verliert man sich eher in Kleinigkeiten und Details, wenn man viel Zeit zur Verfügung hat und schweift dabei gerne ab. Wenn weniger Zeit zur Verfügung steht, kommst Du aber schneller zum Wesentlichen.

Unwichtige Themen dauern am längsten

Parkinson hat auch festgestellt, dass die unwichtigsten Themen die meiste Zeit beanspruchen. Er formuliert das in seinem dritten Postulat: „Die Zeit, die du einem Thema auf der Agenda widmest, ist indirekt proportional zu seiner Wichtigkeit.“

Anscheinend bedürfen relevante und wichtige Themen auch einer ernsten und präzisen Herangehensweise. Sie müssen effizient behandelt werden. Triviale Themen jedoch haben den Nachteil, dass alle mitreden können und sich an der Lösungssuche beteiligen. Deshalb wird diesen Themen meistens mehr Zeit gewidmet.

Das liebe Geld

Die Parkinsonschen Gesetze lassen sich auch auf andere Bereiche im Leben übertragen – obwohl Parkinson sie nach detaillierter Beobachtung von Bürokraten entwickelt hat. Sein drittes Postulat schlägt vor: „Ausgaben steigen stets bis an die Grenzen des Einkommens.“ Das heißt, dass es keine Rolle spielt, wie viel Geld du verdienst. Du wirst immer so mit dem Geld umgehen, dass es gerade so reicht oder Du gar Schulden machen musst.

Ein Mensch kann gut mit einem begrenzten Einkommen leben. Verdient er aber mehr, wird er sein Leben vermutlich auch so umstellen, dass er mehr ausgibt und nicht im Überfluss lebt. Ich erinnere mich noch gut daran, als ich während meiner Ausbildung zum ersten Mal ein echtes Gehalt bekommen hatte. Vorher war ich mit dem Taschengeld ausgekommen und im Vergleich dazu war ich plötzlich ein vermögender junger Mann. Ich habe die ganze Kohle aber trotzdem immer ausgegeben. 😉

Alle Verhaltensmuster, die Parkinson beschreibt haben die Ineffizienz als Ergebnis. Zeit und Geld fehlen immer. Das liegt – wenn Du genauer nachsiehst – aber meistens daran, dass Du sie einfach schlecht verwaltest.
Die Parkinsonschen Gesetze können eine gute Möglichkeit sein, dich augenzwinkert auf diese Ineffizienz aufmerksam zu machen, sie zu erkennen und anzugehen.

Viel Spaß und Erfolg dabei!

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2 Comments

  • Oliver on 17. Mai 2019

    Vielen Dank für den Artikel. Und ich muss Augenzwinkernd zugeben, dass die Gesetze durchaus auch bei mir, wenn auch nur zum Teil, gelten. 😉

  • Colin on 20. Mai 2019

    Einwurf vom Oberlehrer:
    Zudehnen geht nicht. Also „Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.“

    Das Finanzamt freut sich disporoportional sehr über jede Erhöhung deines Einkommens.

    Und ich glaube „umgekehrt proportional“ passt in diesem Satz besser:
    „Die Zeit, die Du einem Thema auf der Agenda widmest, ist indirekt proportional zu seiner Wichtigkeit.“

    Übersetzungen und Fremdsprachenkorekturen gegen Honorar… ;o)

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