Entscheidungen (Teil 3/3)

Lesezeit: 2 Minuten

Treffen von moralischen Entscheidungen

nattanan23 / Pixabay

Im dritten Teil der Beitragsserie zum Thema Entscheidungen sprechen wir heute über moralische Entscheidungen. Nachdem wir nun wissen, wie Entscheidungen in Gruppen (Teil 1 „Entscheidungen in Gruppen“) und in Organisationen (Teil 2 „Der Entscheidungsprozess“) getroffen werden können, geht es jetzt um Entscheidungen für die es – blöderweise – kaum messbare Kriterien gibt. Vielleicht die Entscheidung, in welchem Beruf man arbeiten möchte. Oder wo man wohnen möchte – auf dem Land oder in der Stadt – oder ob man seine Ersparnisse einem Guten Zweck spenden möchte.

Was schwierige Entscheidungen so schwierig macht ist die Beziehung zwischen den Alternativen. Bei einer leichten Entscheidung ist eine Alternative besser als die andere. Bei harten Entscheidungen ist die eine Alternative in einem bestimmten Punkt besser als die andere. Und natürlich umgekehrt, auch die andere Alternative hat irgendwelche Vorteile. Es gibt aber keine Alternative, die insgesamt besser als die andere ist.

Es ist die Furcht vor dem Unbekannten, die uns bei schweren Entscheidungen lähmt. Und dass vielleicht nur, weil wir sie missverstehen. Es ist schlichtweg falsch davon auszugehen, dass eine Alternative tatsächlich besser ist als die andere. Bei schwierigen Entscheidungen gibt es kein „Richtig“ oder „Falsch“.

Die Verwirrung entsteht durch eine unreflektierte Sicht auf Werte. Unbewusst nehmen wir nämlich an, dass Werte wie Gerechtigkeit, Schönheit und Güte wie wissenschaftliche Größen sind. Wie Länge, Masse und Gewicht. Fragen ohne Werte können wir sehr leicht beantworten. Welcher Koffer ist schwerer? Hier haben wir einfache Zahlen, die verglichen werden können. Wenn es aber um unsere Werte und Moralvorstellungen geht, fehlen uns genau diese eindeutigen Zahlen und Größen.
Wenn diese beiden Welten – die Welt der Wissenschaft und die Welt der Werte und Moral – nichts miteinander zu tun haben, dann müssen wir uns auch von der Denkweise trennen, dass es bei schwierigen Entscheidungen nur drei Möglichkeiten gibt. Nämlich, dass die eine Alternative besser, schlechter oder genauso gut ist wie die andere.

Gäbe es nur leichte Entscheidungen zu fällen, wären wir Sklaven unserer eigenen Vernunft. Die schwierigen Entscheidungen sind es, die uns zu den Menschen machen, die wir sind.

Jeder von uns hat die Macht Gründe zu erschaffen! Mit jeder schwierigen Entscheidung können wir selbst von unserer normative Macht gebraucht machen. Wir können Gründe erschaffen und können bestimmen, welche Menschen wir sein möchten. Wir werden zu den Autor*innen unseres Lebens.

Darum sind harte Entscheidungen kein Fluch, sondern ein Geschenk des Himmels und eine Chance unsere eigene Geschichte zu schreiben.

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