Was ich von Tennis für das Leben gelernt habe

Lesezeit: 3 Minuten

Selbstverständlich bin ich mehr dem Fußball zugetan als dem Tennis, aber es gab auch eine Zeit in meinem (noch jungen) Leben, in dem ich öfter auf dem Center-Court des heimatlichen Tennisvereins anzutreffen war. Zugegeben, so richtig erfolgreich habe ich Tennis nie gespielt. Zwar habe ich in meiner Jugend und im frühen Erwachsenenalter auch mit meiner damaligen Mannschaft einige Rundenspiele bestritten, aber in die höheren Ligen habe ich es dann doch nie geschafft.
Zumindest hat aber der „dicke Junge“ so manchen seiner Kumpels die ein oder andere Herausforderung beschert und auch so manche Niederlagen beigebracht. Trotz meines sehr amateurhaften Betreibens des Tennissports habe ich dadurch vieles gelernt, was ich in mein späteres Leben übertragen konnte – auch wenn ich mir dessen damals noch gar nicht bewusst war.

Entscheidungen trifft man immer alleine

Es ist wie im wahren Leben. Vielleicht hat man seinen Trainer irgendwo an der Seite sitzen, evtl. sind Freunde und der oder die Partner*in mit am Platz, die Entscheidungen muss man aber alleine fällen. Beim Tennis geht es dann eher um die Entscheidungen, ob man sein Spiel ein wenig offensiver gestaltet, mehr Risiko geht oder seine komplette Taktik über den Haufen wirft. Aber auch bei vielen Entscheidungen im Leben ist es doch so, dass man trotz aller Ratschläge seines Umfelds, am Ende alleine dasteht und alleine entscheiden und die Konsequenzen tragen muss.

Man kann sich selbst an den Haaren aus dem Sumpf ziehen

Tennis ist einer der einsamsten Sportarten der Welt. Gerade wenn das Spiel nicht zu den eigenen Gunsten läuft wurde mir das immer wieder sehr deutlich. Da ist dann niemand, der einem mal auf die Schulter klopft oder Mut zuspricht. Man ist alleine mit sich und seinem Gegner. Und wenn man jemanden braucht, der einen aufbaut, dann muss man es eben selbst machen.

Während zahlreicher Tennis-Matches habe ich es gelernt mir selbst Mut zuzusprechen, mich selbst zu motivieren und mich selbst aus dem Tief herauszuholen. Während des Spiels hielt ich wie selbstverständlich häufig innere Dialoge. „Komm schon, Steffen.“ oder „Come on, jetzt bist du wieder da.“ waren Sätze, mit denen ich mich nach einem gewonnenen Punkt immer wieder pushte und selbst an den Haaren aus dem Sumpf zog.

Das Wissen darum, dass ich es selbst in der Hand habe, wie ich mich gerade fühle und dass ich es beeinflussen kann, ob ich auf der Sieger- oder Verliererstraße bin, sorgt für Selbstvertrauen und Gelassenheit. Auf dem Sand des Tennisplatzes genauso wie im Berufs- oder Privatleben.

Willenskraft ist wichtiger

Oft stand ich an der Schwelle zwischen Sieg und Niederlage. Vor allem mit einem Kumpel (viele Grüße an dieser Stelle an Dägi) lieferte ich mir stundenlange Duelle in der prallen Sonne. Wir hangelten uns von Tie-Break zu Tie-Break und unsere Matches waren immer extrem eng und umkämpft. In genau solchen Spielen lernte ich, dass die Willenskraft am Ende wichtiger ist als die körperliche Fitness. Mit dem unbedingten Willen gewinnen zu wollen (und sich nicht für Wochen in der Schule anhören zu müssen, dass ich – mal wieder – keine Chance gehabt hätte) zwang der Geist den Körper doch noch zum Sprint, um den Stoppball des Gegners zu erlaufen. Auch wenn ich nach jedem dieser kurzen Sprints dachte, dass jetzt gar nichts mehr geht und ich mich ins Sauerstoffzelt außerhalb des Zaunes begeben müsse. Und beim nächsten Ballwechsel habe ich mich dennoch auf den Weg gemacht, den nächsten Stoppball zu erlaufen. Weil der Wille stärker ist als der Körper. Mit dem unbedingten Willen, kann man über sich selbst hinauswachsen und Dinge erreichen, die man zuvor selbst für unmöglich hielt.

Rückschläge sind keine Niederlagen

Beim Tennis ist es ganz normal, dass der Gegner auch mal Punkte macht. Einige Spiele oder sogar Sätze gewinnt. Und trotz diesen Rückschlägen ist es offensichtlich, dass es sich dabei nicht um eine Niederlage handelt. Man hat schon die wildesten Matches gesehen und ich selbst habe schon so manchen Satz mit 0:6 verloren und mich danach trotzdem nochmal zurückgekämpft. Tennis ist ein wundervolles Beispiel für die Feedback-Aufwärtsspirale, denn jeder verlorene Ballwechsel ist auch gleichzeitig ein Hinweis darauf, wie es nicht funktioniert. Also muss man es bei der nächsten Gelegenheit anders – im besten Fall sogar besser – machen.

Auch dieses Prinzip lässt sich prima auf viele weitere Bereiche außerhalb des Tennis übertragen.

Sicher gibt es auch in anderen Sportarten zahlreiche Parallelen, die sich wunderbar auf das Leben übertragen lassen und die einem einiges an Rüstzeug mitgeben. Beim Tennis wird das meiner Meinung nach aber durch diese vorhin beschriebene Einsamkeit noch deutlicher und plakativer.

Ich bin gespannt, wie Du das sieht und welche Erfahrungen Du in diesem Bereich schon gemacht hast und freue mich über deine Kommentare!

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