Endlich Werbefrei – Mit Pi-hole

Endlich Werbefrei – Mit Pi-hole

Lesezeit: 8 Minuten

Inspiriert durch eine Unterhaltung mit einem Kumpel – und da ich noch einen nicht genutzten Raspberry Pi rumliegen hatte – habe ich mir den Pi-hole ein wenig näher angesehen und mich danach dazu entschieden, mir einen Pi-hole ins eigene Netzwerk zu holen. Heute berichte ich Dir davon, was ein Pi-hole genau ist, wieso Du auch einen brauchst und wie Du den Pi-Hole ganz einfach installieren kannst.

Falls Du auch noch einen Raspberry „übrig“ hast, jedoch keinen Pi-hole möchtest, habe ich noch weitere Vorschläge, was du damit machen kannst:

Was ist Pi-hole

Werbung ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil unseres Alltags geworden. Nicht nur im TV, sondern auch überall im Internet werden wir mit – zum Teil – maßgeschneiderter Werbung überschüttet. Meistens ist diese Online-Werbung nervig und störend. In manchen Fällen aber sogar schadhaft und gefährlich.

Deshalb haben sogenannte AdBlocker Hochkonjunktur. Dabei handelt es sich um Erweiterungen für Deinen Browser, die schadhafte Werbung blocken. Der große Nachteil dieser AdBlocker: Sie arbeiten natürlich nur in Deinem Browser. Aber heutzutage bist Du nicht mehr nur mit Deinem Internet-Browser im weltweiten Datennetz unterwegs. Sondern auch vom Smartphone und vom Tablet. Oder mit dem smarten Sprachassistenten, Deiner Spielekonsole oder sogar Deinem Smart-TV. Die meisten dieser Geräte bieten nicht die Möglichkeit einen AdBlocker zu installieren oder anderweitig Werbung und Tracker aus dem Datenstrom herauszufiltern.

Hier setzt das Projekt Pi-hole an. Ein schwarzes Loch für Internet-Werbung.

Pi-hole integriert sich in das gesamte Heim-Netzwerk und kann so Werbung und Trackern im gesamten Netzwerkverkehr herausfiltern. Seit 2015 wird das Projekt von Jacob Samela entwickelt und es ist (natürlich) Open Source auf GitHub verfügbar. Technisch setzt der Pi-hole auf dnsmasq und den Webserver Lighthttpd.

Funktionsweise

Wie funktioniert das mit dem Pi-hole jetzt genau? Sicherlich nutzt Du selbst auch einige Apps auf Deinem Smartphone (oder Smart-TV), die werbefinanziert sind. Werbung ist damit fest in die App integriert und immer, wenn Du die App öffnest, wird eine Verbindung zum entsprechenden Server im Internet aufgebaut, von dem die Werbung auf Dein Smartphone gesendet wird. Gehen wir mal beispielhaft davon aus, dass dieser Server die Adresse „server1.werbung.de“ hat. Das gesamte Internet funktioniert mit sogenannten DNS-Servern (Domain Name System) . Diese lösen die Server-Adresse in eine eindeutige IP-Adresse auf.

Wenn Dein Smartphone aber nicht Deinen Router als DNS-Server nutzt, sondern auf den Pi-hole umgestellt wurde, vergleicht dieser die ankommende Adresse erstmal mit einer internen Liste. Findet der Pi-hole die Adresse „server1.werbung.de“ auf seiner Liste, wird die Übersetzung in eine IP-Adresse unterdrückt. Dadurch fließen niemals Daten zwischen „server1.werbung.de“ und Deinem Smartphone. Der Datentransfer und damit die Werbung landen quasi in Deinem eigenen kleinen schwarzen Loch des Netzwerks. 😉

Schauen wir uns nun also die Installation ein wenig genauer an. Keine Sorge…das ist wirklich so einfach, dass Du das locker hinbekommst, wenn Du Dich an die Anleitung hältst.

Raspberry Pi

Natürlich brauchst Du als erstes einen Raspberry-Pi. Wenn Du keinen mehr zu Hause rumliegen hast, empfehle ich Dir einen relativ aktuellen zu kaufen. Pi-hole benötigt lediglich mindestens 512MB Arbeitsspeicher und 2GB Festplattenspeicher.

Installation Raspberry Pi OS

Bis vor einiger Zeit hieß das meistgenutzte Betriebssystem für den Raspberry-Pi noch „Raspbian“, bitte wundere Dich also nicht, falls der Name hier noch das ein oder andere mal auftauchen wird.

Wir starten mit einer kompletten Neuinstallation des Raspberrys. Ich empfehle auf jeden Fall den Raspberry Pi Imager für die Installation. Auch wenn ich in meinen beiden anderen Artikeln (siehe oben) noch anders an die Installation rangegangen war.

Lade Dir den Raspberry Pi Imager einfach auf der verlinkten Homepage herunter, lege die SD-Karte ein und lass Dich von dem Programm durch die Installation führen. Einfacher geht’s wirklich nicht!

  1. Wähle das zu installierende Betriebssystem
  2. Wähle die entsprechende SD-Karte
  3. Los geht’s!
Klicke im Startbildschirm auf „CHOOSE OS“, um das passende Betriebssystem auszuwählen, welches wir installieren werden.
Wir entscheiden uns für „Raspberry Pi OS (32-bit)“.
Teil 1 ist damit erledigt. Weiter zum nächsten Schritt und die passende SD-Karte mit „CHOOSE SD CARD“ auswählen.
Hier werden nun alle verfügbaren SD-Karten angezeigt. Wähle die passende aus, in den meisten Fällen solltest Du nur eine einzige angezeigt bekommen.
Dritter Schritt: Klicke auf „WRITE“, um den Vorgang zu starten. Nun wird das ausgewählte Betriebssystem heruntergeladen und auf die ausgewählte SD-Karte geschrieben.
Der Raspberry Pi Imager fragt sicherheitshalber nochmal bei Dir nach, ob Du Dir auch wirklich sicher bist. Bestätige hier mit „YES“.
Nach einer Weile erhältst Du vom Programm die Meldung, dass alles geklappt hat und Du die SD-Karte nun in den Raspberry-Pi einlegen kannst.

Konfiguration Raspberry Pi OS

Der Raspberry Pi Imager hat alles für Dich vorbereitet, so dass Du nach dem Bootvorgang gar nichts mehr tun musst. Du landest direkt in der grafischen Oberfläche des Betriebssystems. Dennoch musst Du noch ein paar Kleinigkeiten einrichten, aber keine Sorge – auch das ist schnell erledigt.

  1. Sprache und Zeitzone ändern.
  2. Neues Kennwort setzen.
  3. Betriebssystem-Updates installieren.
Nach dem Bootvorgang landest Du direkt in der grafischen Oberfläche. Klicke auf „Next“, um Dich vom Assistenten durch die ersten Schritte nach der Installation führen zu lassen.
Als erstes kannst Du die Sprache und Deine Zeitzone einstellen.
Der Standard-Benutzer „pi“ hat standardmäßig das Kennwort „raspberry“. Das solltest Du dringend ändern und hier ein anderes Passwort vergeben.
Du kennst das vermutlich von Windows. Jetzt werden erstmal alle Updates für das Betriebssystem und sonstige Applikationen geladen. Das kann – je nach Internerverbindung – eine ganze Weile dauern – bleib geduldig.

Nach dem Update wird der Raspberry-Pi nochmal neu starten, Dich danach aber wieder direkt in die grafische Oberfläche führen. Es gibt noch ein paar weitere Kleinigkeiten, die Du jetzt noch einstellen solltest.

  1. Hostname ändern.
Klicke auf der Oberfläche auf „Preferences“ > „Raspberry Pi Configuration“. Hier kannst Du den Namen Deines Pi-holes vergeben.

Netzwerkkonfiguration

In den allermeisten Heimnetzwerken fungiert Dein Router als DHCP-Server (Dynamic Host Configuration Protocol). Das heißt, dass er neuen Geräten im Netzwerk automatisch eine IP-Adresse zuweist. Ich würde Dir jedoch empfehlen, Deinem Pi-hole eine eigene, statische, also feste, IP-Adresse zu geben.

Drücke dazu die Tastenkombination „STRG“ + „ALT“ + „T“ um ein Terminal zu öffnen. Tippe dann dort folgenden Befehl ein, um die Datei zu öffnen, in der Du die IP-Adresse konfigurieren kannst:

sudo nano /etc/dhcpcd.conf 

Diese Datei kannst Du nun entsprechend Deiner Netzwerkkonfiguration anpassen. Hier ein Beispiel, wie die Konfiguration bei mir aussieht.

interface eth0
static ip_address=192.168.0.4/24
static routers=192.168.2.1
static domain_name_servers=192.168.2.1 8.8.8.8

Installation Pi-hole

Nachdem der Raspberry nun eine statische IP-Adresse zugewiesen hat, können wir nun (endlich) den Pi-hole installieren.

Die einfachste Variante ist eine komplett automatische Installation. Dazu kannst Du einfach diesen Befehl in einem Terminal ausführen:

curl -sSL https://install.pi-hole.net | bash
So startet das Installationsprogramm und führt erstmal eine Reihe von Prüfungen durch.
Pi-hole lässt sich über eine grafische Oberfläche installieren (zumindest so halb). Im ersten Fenster kannst Du einfach „OK“ auswählen.
Pi-hole fragt nach, welchen DNS Provider Du verwenden möchtest. Ich rate dir zu Google oder OpenDNS, Du kannst aber auch Deinen eigenen Verwenden. Dazu solltest du „Custom“ auswählen.
Ich habe bereits erwähnt, dass Pi-hole die Server-Adressen mit einer eigenen Liste abgleicht. Hier kannst Du nun auswählen, welche Listen Du verwenden möchtest. Am besten lädst du beide ausgewählt und gehst mit „OK“ weiter zum nächsten Schritt.
IPv4 und IPv6 sollten gleichermaßen überwacht werden.
Hier kannst Du Deine Netzwerk-Einstellungen nochmal einsehen und bestätigen.
Ich würde Dir auf jeden Fall raten, das Admin-Interface zu installieren. So kannst Du später alle Logs und Einstellungen über eine Web-Oberfläche von Deinem Computer aus verwalten.
Lighttpd wird als Webserver für das Admin-Interface mitgeliefert. Dennoch hast Du die Freiheit einen eigenen Web-Server zu verwenden. Ich rate Dir aber dringend zu den Standard-Einstellungen.
Nun kannst Du einstellen, ob alle Anfragen protokolliert werden sollen.
Jetzt kannst Du einen Privacy-Mode für FTL einstellen. Darüber gibt es hier mehr Infos.
Sobald die Installation abgeschlossen ist, erhältst Du eine Meldung mit einer Zusammenfassung. Hier wird Dir angezeigt, wie Du die Weboberfläche erreichen kannst. Initial wird ein Passwort vergeben, welches Du Dir am besten notieren solltest – und auf jeden Fall später ändern. 😉

Alternative Installationsmethoden

Die beschriebene Installationsmethode ist die einfachste, jedoch ist sie auch ein wenig umstritten. Durch

| bash

wird nämlich nicht sämtlicher Code ausgegeben, der im Hintergrund ausgeführt wird. Ich persönlich sehe damit kein großes Problem, möchte Dich aber der Vollständigkeit halber darauf hinweisen.

Alternative Installationsmethoden sind das Klonen des GitHub-Repository

git clone --depth 1 https://github.com/pi-hole/pi-hole.git Pi-hole
cd "Pi-hole/automated install/"
sudo bash basic-install.sh

Oder der manuelle Download und Installation

wget -O basic-install.sh https://install.pi-hole.net
sudo bash basic-install.sh

Integration in Dein Netzwerk

Nachdem Pi-hole installiert wurde, solltest Du jetzt noch dafür Sorgen, dass der gesamte Netzwerkverkehr auch wirklich durch den Pi-hole überprüft werden kann. Dazu konfigurieren wir den Pi-Hole als DNS-Server für alle Deine Geräte. Da die meisten Deiner Geräte vom DHCP-Server eine automatische IP-Adresse – und damit auch die automatische Konfiguration des DNS-Server – erhalten, können wir die Einstellung zentral auf Deinem Router ändern.

Ich habe eine FRITZ!Box 6490 Cable, weshalb ich Dir das damit beispielhaft zeigen kann. Falls Du einen anderen Router hast, suche am besten bei Google nach „<Router> DHCP konfigurieren“.

  1. Klicke in der Benutzeroberfläche auf „Heimnetz“.
  2. Danach wähle „Netzwerk“ im Menü aus.
  3. Dort findest Du die Registerkarte „Netzwerkeinstellungen“.
  4. Im Abschnitt „LAN-Einstellungen“ kannst Du auf „weitere Einstellungen“ klicken.
  5. Durch einen Klick auf die Schaltfläche „IPv4-Konfiguration“ kommst Du dort in die Einstellungen und kannst die IP-Adresse des Pi-holes als DNS-Server konfigurieren.
So geht die Konfiguration bei meiner FRITZ!Box 6490 Cable.

Natürlich kannst Du aber auch jedes Gerät manuell konfigurieren und die IP-Adresse des Pi-holes als DNS-Server verwenden.

Pi-hole aktuell halten.

Einen Pi-hole installieren ist eine Sache. Die Andere ist es, ihn immer aktuell zu halten. Ich habe mir dazu angewöhnt einmal in der Woche ein Update durchzuführen. Dazu logge ich mich per SSH auf den Pi-hole ein und führe folgende Befehle aus:

apt-get update && apt-get upgrade -y && apt-get autoremove && apt-get autoclean
pihole -up

Pi-hole und SkyQ

Nachdem ich den Pi-hole in Betrieb genommen hatte, hatte ich plötzlich Probleme mit meinem SkyQ-Receiver. Lineares Fernsehen war ohne Probleme möglich, jedoch konnte ich auf keine Internet-Services mehr zugreifen. Des Rätsels Lösung lag relativ nahe: der SkyQ-Receiver ist mit dem Pi-hole nicht zurecht gekommen. Also habe ich den SkyQ-Receiver auf eine feste IP-Adresse eingestellt und meinen Router als DNS-Server genutzt. Seither gab es keine Probleme mehr.

Falls Du irgendwelche Probleme im Netzwerk feststellen solltest, nach dem Du den Pi-hole in Betrieb genommen hast, teste einfach mit einem anderen DNS-Server, um den Pi-hole ausschließen zu können.

Fazit

Der Pi-hole verrichtet bereits seit einigen Wochen seinen Dienst und hat seither schon sehr viele Anfragen geblockt und mich vor dem Tracking bzw. Werbung geschützt.

Pi-hole Dashboard

Falls Du schon eigene Erfahrungen mit dem Pi-hole gesammelt hast, lass es mich gerne in den Kommentaren wissen! Ich bin gespannt auf Deine Rückmeldungen.

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