Tool-Tipp: Braintoss – Die App, die mir beim Denken hilft, nicht beim Merken
Diese Woche habe ich mir mal wieder ein bisschen digitale Selbstfürsorge gegönnt. Genauer gesagt: Ich habe meine Getting Things Done‑Kenntnisse aufgefrischt – in einem Grundlagenseminar, bei dem ich nicht nur viel gelernt, sondern auch eine richtig clevere App entdeckt habe. Die Empfehlung kam von dem Trainer, und ich bin ehrlich: Seitdem lasse ich meine Gedanken nicht mehr unbeaufsichtigt durch den Kopf wirbeln.
Die App heißt Braintoss, kostet rund 3 €, läuft auf iOS und Android – und ist im Grunde genommen nichts weiter als eine digitale Wurfstation für lose Gedanken.
Aber genau das ist ihr Zauber.
Erst denken, dann werfen: Was Braintoss eigentlich macht
Vielleicht kennst Du das: Du stehst an der Bushaltestelle, Dir fällt plötzlich ein, dass Du morgen unbedingt an die Geburtstagskarte denken musst. Oder Du sitzt in einem Meeting, jemand sagt etwas, das Dich an eine Idee für ein neues Projekt erinnert. Und bevor Du zum Handy greifen oder was aufschreiben kannst – ist der Gedanke weg.
Genau hier setzt Braintoss an. Die App ist im Grunde eine Art „Gedanken-E-Mail-Schleuder“: Du sprichst, tippst oder fotografierst etwas – und zack, landet es in Deiner E‑Mail-Inbox. Später, wenn Du Deine Inbox sortierst, findest Du alles wieder. Einfach, schnell, ohne Schnickschnack.
David Allen hat es auf den Punkt gebracht:
„Your mind is for having ideas, not for holding them.“
Und genau deshalb fühlt sich Braintoss so befreiend an. Du musst nicht mehr alles behalten. Du musst es nur einmal kurz loswerden.
Wie funktioniert das in der Praxis?
Wenn Du die App öffnest, hast Du drei Möglichkeiten:
- Du sprichst einfach in Dein Handy – eine Sprachnotiz.
- Du fotografierst etwas – zum Beispiel eine Notiz, einen Beleg, eine Visitenkarte.
- Oder Du tippst einen kurzen Text.
Mit einem einzigen Fingertipp wird das Ganze dann per E‑Mail an eine Adresse Deiner Wahl geschickt. Das kann Deine normale E‑Mail-Adresse sein, aber auch ein To-do-Tool wie Todoist, wenn es E‑Mail‑Importe unterstützt. Und das Beste: Wenn Du die Sprachaufnahmefunktion nutzt, transkribiert Braintoss das Gesprochene auch gleich. Das spart später Zeit beim Sichten.
Warum ich Braintoss inzwischen fast täglich nutze
Ich bin ehrlich: Ich war anfangs etwas skeptisch. Noch eine App? Noch ein Tool, das mir helfen will, mich zu organisieren? Ich hatte schon ein paar davon ausprobiert – und nach einer Woche wieder gelöscht.
Aber Braintoss hat einen anderen Ansatz. Es will Dich gar nicht organisieren. Es will Dich nur entschärfen. Also: die Spannung im Kopf rausnehmen. Gedanken ablegen, ohne dass Du gleich in Kategorien, Projekten oder Prioritäten denken musst.
Das fühlt sich an wie:
- Gedanken einfach mal schnell rauslassen
- Nichts vergessen müssen
- Und trotzdem nichts verlieren
Wenn Du GTD praktizierst oder Dich gerade in das Thema einarbeitest, ist das ein echter Gamechanger. Die App bildet perfekt die erste Phase von GTD ab: das Erfassen. Und zwar so unkompliziert, dass Du nicht mal eine Ausrede brauchst.
Mehr als nur eine Zieladresse
In den Einstellungen kannst Du übrigens mehrere E‑Mail-Ziele anlegen. Das bedeutet: Du kannst nicht nur Deine persönliche Inbox nutzen, sondern auch Tools wie Todoist, Evernote oder sogar ein gemeinsames Projekt-Postfach einbinden – vorausgesetzt, sie können E-Mails empfangen.
Ein schönes Beispiel aus meinem Alltag: Ich habe eine Adresse für Ideen, eine für persönliche Aufgaben und eine dritte, die direkt in ein gemeinsames Trello-Board läuft. So muss ich nicht erst überlegen, wohin der Gedanke gehört. Ich „toss“ ihn einfach in die richtige Richtung – fertig.
Ein bisschen Schatten gibt’s auch: Datenschutz
Jetzt kommt der Teil, den ich nicht verschweigen möchte – und auch nicht sollte. Denn wo Daten fließen, da stellt sich immer auch die Frage: Wer sieht da eigentlich mit?
Ein Beitrag auf dem Blog Verwaltungsrebell hat das schön aufgearbeitet. Die Kurzfassung:
- Braintoss verschickt Deine Inhalte per E‑Mail – nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt.
- Die Daten liegen eine gewisse Zeit auf Servern in der EU (meist in den Niederlanden), bevor sie gelöscht werden.
- Es gibt derzeit keinen offiziellen AV-Vertrag (also keinen klassischen Datenschutzrahmen für Unternehmen).
- Für sensible Inhalte – etwa im behördlichen Kontext oder bei personenbezogenen Daten – ist die App nicht uneingeschränkt empfehlenswert.
Was heißt das für Dich?
Wenn Du Braintoss nutzt, solltest Du überlegen, was Du damit versendest. Ein Gedanke wie „Flipchart kaufen“? Kein Problem. Ein vertraulicher Hinweis auf ein Mitarbeiter*innengespräch? Lieber nicht.
Meine persönliche Faustregel: Wenn ich den Gedanken auch einem Post-it an den Kühlschrank anvertrauen würde, dann passt’s für Braintoss.
Mein Fazit – und vielleicht auch Deins?
Ich hätte nicht gedacht, dass mich eine so kleine App so begeistert. Aber sie trifft genau einen Nerv: Sie lässt mich denken, ohne dass ich mich gleich organisieren muss. Und genau das hilft mir, dran zu bleiben, weiterzudenken, nichts zu vergessen.
Wenn Du also auch manchmal das Gefühl hast, Dein Kopf sei voller flüchtiger Ideen, dann probier’s mal aus. Drei Euro sind ein kleiner Preis für mehr mentale Klarheit.
Und wenn Du Braintoss schon kennst oder ausprobierst: Schreib mir gern in die Kommentare, wie Du es in Deinen Workflow integrierst!
Und denke dran: Bleib produktiv!