Gruppenstrukturen

Gruppenstrukturen

Lesezeit: 2 Minuten

In einem Blog-Artikel vor einigen Wochen haben wir gemeinsam einen Blick auf die Gruppendynamik und Gruppenprozesse geworfen. Auch im heutigen Beitrag werden Gruppen im Vordergrund stehen. Diesmal schauen wir uns die Strukturen innerhalb einer Gruppe ein wenig genauer ein. Wir finden heraus, welche verschiedenen Rollen es in Gruppen gibt und welche Funktionen diese haben.

Das Verständnis für Gruppenstrukturen wird Dir dabei helfen die Gruppen, in denen Du dich tagtäglich bewegst, besser zu verstehen und besser darin zurechtzukommen.

Strukturen in einer Gruppe

Jede Gruppe weist Strukturen auf. Gesetzmäßigkeiten oder Beziehungen von Gruppen kannst Du auf unterschiedliche Arte und Weise beobachten und kennenlernen.

  • Beziehungen zwischen den Gruppenmitgliedern anhand von Sympathie oder Abneigung (wer steht wem wie gegenüber?)
  • Kommunikationsbeziehungen (wer redet mit wem wie häufig und wieso?)
  • Machtbeziehungen (wer übt auf wen Einfluss und Macht aus?)
  • Rollenbeziehungen (wer hat welche Rolle und Funktion?)

Gruppenstrukturen verändern sich über die Zeit und beeinflussen dabei auch das Denken, Empfinden und Verhalten der einzelnen Gruppenmitglieder. Im Allgemeinen ergeben sich diese Veränderungen durch den Gruppenprozess und das Verhalten Einzelner.

Rollenverteilung innerhalb einer Gruppe

Es passiert tatsächlich ganz automatisch bzw. unterbewusst: Sobald sich eine neue Gruppe bildet, übernehmen ihre Mitglieder bestimmte Rollen. Abhängig von ihrer Persönlichkeit und ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten.

Im Wesentlichen sind es immer wieder die gleichen Rollenmuster und Aufgaben, die diesen Rollen zukommen. In der Wissenschaft gibt es viele verschiedene Modelle, eines davon möchte ich Dir ein wenig genauer vorstellen. Es ist das sogenannte rangdynamische Positionsmodell nach Raoul Schindler. Raoul Schindler war ein österreichischer Psychotherapeut, Psychoanalytiker und Psychiater mit den Arbeitsschwerpunkten Familientherapie, Gruppentherapie und Psychotherapie von Psychotikern.

Alpha

Der Alpha ist der Gruppenleiter. Er trägt die Verantwortung.

Beta

Der Beta ist der Spezialist im Team. Er ist der Experte im Team, der immer wieder Detailinformationen liefert und sich selbst als Berater sieht. Er verfügt über eine große Menge an Fachwissen, ist aber dennoch nicht so akzeptiert wie der Gruppenleiter.

Gamma

Ein typischer Mitläufer (von Alpha), Arbeiter und Anhänger.

Omega

Als Omega bezeichnet man das Mitglied, welches eine Außenseiter-Rolle einnimmt. Er ist nicht vollständig in die Gruppe integriert oder wird nicht vollständig von den anderen akzeptiert. Er kann entweder als großer Kritiker in Erscheinung treten oder wird zum Sündenbock bzw. schwarzem Schaf.

In so gut wie jeder Gruppe ist mindestens die Rolle des Alpha und des Omega besetzt. Sobald die Gruppe anwächst oder sich verändert, können Mitglieder ihre Rolle verändern. Werden Rollen frei, werden sie in aller Regel von anderen Mitgliedern eingenommen.

Weitere Rollen einer Gruppe
Weitere Rollen in einer Gruppe

Die Funktionen der einzelnen Rollen

Mitglieder einer Gruppe übernehmen eine bestimmte Rolle, welche wiederum bestimmte Funktionen für die Gruppe erfüllen. Diese Rollen werden unterschieden in Aufgabenrollen, Erhaltungsrollen und dysfunktionale Rollen.

Aufgabenrollen

  • Informationssuche und -gewinnung
  • Zusammenfassen
  • Koordinieren
  • Abgeben einer Meinung
  • Initiative und Aktivität
  • Ausarbeiten
  • Meinungserkundung
  • Informationsgebung

Erhaltungsrollen

  • Regeln aufstellen
  • Reaktionen anderer wahrnehmen und berücksichtigen
  • Gefühle ausdrücken
  • Folge leisten
  • Ermutigung

Dysfunktionale Rollen

  • Rückzug
  • Blockierung
  • Aggressionen
  • Aufmerksamkeit und Beachtung erheischen
  • Spezialplädoyers
  • Klassenkaspern
  • Rivalitäten
  • Sympathiegesuche
  • Selbstgeständnisse

Fazit

Du kannst das gut oder schlecht finden, aber egal welches Gruppenmodell Du Dir anschaust, es gibt immer ähnliche Rollen in einer Gruppe, die – gefördert durch die Gruppendynamik – von einzelnen Mitgliedern wahrgenommen werden.

Wenn Du möchtest kannst Du ja mal mit einer Gruppe, deren Mitglied Du bist, ein wenig überlegen. Das könnte Deine Familie sein, oder Dein Team auf der Arbeit. Welche Rolle haben die einzelnen Mitglieder dieser Gruppe?

Ich freue mich auf Deine Kommentare.

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